Freitag, 12. Oktober 2012
Geld-Kritik der reinen Vernunft
oder wider das Übel der Finanzwirtschaft
„Banken, Banker, Bankster“ überschrieb der Fernsehsender „Arte“ sehr treffend seinen Themenabend vom 2.10.2012 an dem zwei empfehlenswerte Filmbeiträge von Jean-Michel Meurice und Fabrizio Calvi gezeigt wurden. „Der große Reibach“ und der „Tanz der Geier“ vermittelten einen fundierten und kritischen Blick hinter die Machenschaften der Finanzbranche, die zur weltweiten Finanzkrise 2008 geführt haben. Ausgangspunkt der Finanzkrise war das Platzen der Immobilien-Blase in den USA.
Die Skrupellosigkeit mit der, von gänzlich ungeschulten Maklern die Kredite in der Endphase selbst an bekanntermaßen Mittellose zum Hauskauf verramscht wurden, ist beängstigend. Diese Hypotheken wurden makaberer weise „NINA“-Kredite genannt. Diese Abkürzung steht für „ No income, no assets“. Sie wurden sprichwörtlich an Menschen vergeben, die wissentlich „kein Einkommen, keine Vermögenswerte“ hatten ! Der Schwindel hatte ganz klar Methode.
Der Film zeigte einen alarmierenden Verfall des Anstandes und der Sitten in der Finanzbranche. Der eigene Vorteil regiert und das bewusste Täuschen der ahnungslosen Kunden ist zum Geschäftsmodell geworden.
Eine sehr bedenkliche Rolle spielten dabei die Rating-Agenturen. Die drei größten amerikanischen, deren Aufgabe es als „unabhängige“ Bewerter gewesen wäre, diese toxischen Papiere zu erkennen, verliehen ihnen die absolut vertrauenswürdige Bestnote „AAA“. Damit war das Komplott „wasserdicht“.
Das Bild des kriminellen Filzes rundet sich ab, wenn man weiß, dass diese Agenturen, in Form von Aktien, gerade ganz potenten Mitspielern der Finanzbranche gehören. „Moody's größter Aktionär (mit über 18 %; Stand 3/2008; Dirk Müller. „Crashkurs“ S. 112) ist das legendäre Holdingunternehmen „Berkshire Hathaway eines ganz großen in diesem Geschäft, der immer „Spürnase“ bewiesen hat : Warren Buffett. Wer wird schon die Produkte der eigenen Anteilseigner und Auftraggeber schlecht reden wollen ???
Eben jenem Warren Buffet, selbst durch Börsengeschäfte zeitenweise zum reichsten Mann der Welt avanciert, wird bereits im Jahre 2003 folgender Ausspruch zugeschrieben : „Derivate sind finanzielle Massenvernichtungswaffen“(S. 52)* . Wir hätten gut daran getan, einen Insider von solchem Schrot und Korn ernst zu nehmen ! Wer sollte denn besser wissen, um was für Risiken es sich da handelt, als jemand, der ein Leben lang selbst spekuliert hat ? Die Krise 2008 hat ihn jedenfalls voll auf bestätigt.
Wenn aber die Finanzbranche regelrechte finanzielle Massenvernichtungswaffen hervorbringt – bedarf es dann nicht auch entsprechender „finanzieller Waffengesetze“ und weltweite „Abrüstungsverhandlungen“ um die Risiken zu minimieren?
Matthias Weik und Marc Friedrich nennen in ihrem Buch „Der größte Raubzug der Geschichte“ (Tectum,2012*) dazu herausfordernde Zahlen :
Handelssumme Derivate 2011 700 Bill.$
(S. 186)
Haftungssumme EU-Rettungspakete Herbst 2011 1849 Mrd. €
Krisenintervention FED (USA) 1200 Mrd. $
Krisenintervention EZB 1 Bill.€
(S. 263; 132; 260;
Verschuldung Eurozone 7 Bill.€
Staatsverschuldung USA März 2012 15,46 Bill.$
incl. Verbindlichkeiten Sozialsystem 200 Bill.$
(S. 231; 225;228)
Müssen wir somit nicht das gesamte Geldwesen und seine Macher einer gewissenhaften Kritik unterziehen, wenn solche Gefahren von ihm ausgehen; einer Kritik der reinen Vernunft, ohne Lobbyismus und Parteilichkeit derer, die gar zu schön mit diesem brandgefährlichen Finanzsystem verdient haben ?
Es ist unverkennbar : Jedweder (Gruppen-) egoistischer Einfluss weltweit erfolgt über ein Geldsystem, dass keinerlei Kontrolle mehr unterliegt und sich seine Regeln beginnt sogar selbst zu schreiben. Es verfährt nach dem gut bekannten und bewährten Grundsatz : Gewinne werden privatisiert, Verluste sozialisiert. Wenn es uns nicht gelingt, dieses Geldwesen wieder in eine dienende Funktion zu zwingen, wird ES uns bezwingen.
Dieses weltweite Finanzkasino muss abgebremst und ausgebremst werden.
Das ist das Gebot der reinen Vernunft.
Hoffentlich ist die, von immerhin 11 EU-Staaten beschlossene Finanztransaktionssteuer kein zahnloser Tiger. Sie wäre der erste Schritt in die richtige Richtung. Mit ihr könnten sich die Staaten wenigstens ein wenig refinanzieren, für die ungeheuren Rettungssummen, die ihnen abgenötigt wurden, um einen globalen Zusammenbruch zu verhindern.
Zur Therapie des Geld-UN-Wesens finden Sie mehr unter "Darf's auch etwas mehr sein-Demokratie für das 21.Jahrundert" (siehe Kindle ebook)
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Ein Blick auf die folgende Graphik genügt, um alle naiven Vorstellungen bzl. einer wie auch immer gearteten "politischen Lösung" ad absurdum zu führen:
AntwortenLöschenhttp://www.helmut-creutz.de/pdf/grafiken/034-043b_creutz.pdf
Für die Überwindung der "Finanz- und Schuldenkrise" (korrekt: globale Liquiditätsfalle nach J. M. Keynes, klassisch: Armageddon) gibt es nur genau eine Möglichkeit, die wiederum das, was heute als "hohe Politik" bezeichnet wird, überflüssig macht:
http://www.swupload.com/data/Das-Juengste-Gericht.pdf